Alkyon

In Rilkes meisterlichem Sonett, welches hier bruchstückhaft wiedergegeben wird, erwächst die erste philosophische Frage: Wer bin ich? In lebensdienlicher Absicht entsteht daraus die Frage: Wozu tue ich denn das, was ich tue? Darüber hinaus lässt sich eine ganze Palette von Fragen des „richtigen“ Sehens und Verstehens entfalten. Auf unseren Lebenswegen sind wir angehalten, Bruchstücke solchen Sehens verstehen zu lernen, doch eine Einsicht solcher Art fällt uns nicht immer leicht. Es kommt zu Brüchen im Sehen und im Verstehen. Diese Bruchstellen benennen zu lernen und zu „behandeln“ ist ein erklärtes Ziel menschlicher Vernunfttätigkeit.

Die Philosophische Praxis bietet die Möglichkeit, sich über verschiedenste Themen, welche bruchstückhaft auftauchen, Gedanken zu machen. In Einzel- oder auch in Gruppengesprächen können solche Prozesse und Veränderungsmöglichkeiten angedacht und diskutiert werden, wobei zusammen mit einem philosophisch geschulten Aussenstehenden Raum geboten wird, das Nachdenken über Mensch und Welt zu üben. Es geht nicht in erster Linie darum, philosophisches Fachwissen zu vermitteln, sondern um die Entwicklung perspektivischer Sichtweisen für konkrete Lösungen, um dadurch eine Klärung, eine „Räumung“ von Unklarem gewissermassen, anzustreben. Der gebotene Raum soll auch ein Ort der Ruhe und Rückbesinnung auf die inneren Werte sein.

Solche Rückbesinnungen oder perspektivische Neuausrichtungen können auch von Personen für Institutionen und für Organisationen von Seminaren, Vorträgen oder für die konzeptionelle Arbeit zu Qualitätsentwicklungsfragen etc. in Anspruch genommen werden.

 

 

Archaischer Torso Apollos

«Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt, darin die Augenäpfel reiften. Aber sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug der Brust dich blenden, und im leisen Drehen der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz unter der Schultern durchsichtigem Sturz und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.»

(Rainer Maria Rilke)

 

Der Mensch

Erst opfert er seine Gesundheit um Geld zu verdienen. Dann opfert er sein Geld um seine Gesundheit zurück zu bekommen. Er ist so auf die Zukunft fixiert, dass er die Gegenwart nicht geniessen kann. Das Ergebnis ist, dass er weder die Zukunft noch die Gegenwart lebt. Er lebt so als würde er niemals sterben, und er stirbt so als hätte er niemals gelebt.

Dalai Lama